2. Spurensuche in Animal Crossing?

Nogami:

Das erste Hauptelement, über das wir gerne sprechen würden, ist WiiConnect24. Hierbei handelt es sich um ein System, mit dem das Senden und Empfangen von Daten ermöglich wird, selbst wenn Sie nicht gerade mit Ihrer Wii-Konsole spielen, also zum Beispiel schlafen. Als ich das Konzept zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: „Das ist wie geschaffen für Animal Crossing!“

Iwata:

Das war mir auch ein wenig bewusst, schon als wir das ursprüngliche Wii-Konzept entworfen haben. Man hat es zum damaligen Zeitpunkt vielleicht nicht ausgesprochen, aber ich war mir sicher, dass bei zahlreichen Personen, die an der Wii-Hardware und den Systemfunktionen gearbeitet haben, das Gefühl vorherrschte, dass sie diese Funktionen gerne in Animal Crossing einsetzen würden.

Nogami:

Auf unserer Seite bekamen wir die Last der Erwartung auch zu spüren. Man konnte die unausgesprochene Forderung förmlich heraushören: „Seht zu, dass ihr diese Funktion einsetzt!“ Persönlich finde ich, dass der interessanteste Aspekt von WiiConnect24 darin liegt, dass selbst wenn die Spieler nicht darüber nachdenken, dass sie mit anderen Spielern in Kontakt sind, eine Verbindung im Hintergrund stattfindet. In der DS-Version sorgte die Nintendo Wi-Fi Connection3 für zusätzlichen Spaß, aber sie bedurfte auch einiger Aktivität seitens des Spielers. 3 Die Nintendo Wi-Fi Connection ist ein System, mit dem Spieler eine Verbindung zum Internet aufbauen und dort Spiele und andere Anwendungen mit anderen Spielern aus der ganzen Welt genießen können.

Iwata:

Wenn man einen Ausflug in die Stadt eines Freundes plante, musste man im Voraus eine Zeit ausmachen und gewährleisten, dass beide die Nintendo Wi-Fi Connection zur selben Zeit aktivieren.

Nogami:

Und da kann es vorkommen, dass ein Spieler zu einem Zeitpunkt spielen möchte, an dem der andere keine Zeit hat. Genau aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, dieses Mal WiiConnect24 zu verwenden, damit Spieler die kommunikative Seite des Spiels mehr genießen können, ohne dabei viel Vorbereitung aufzuwenden.

Iwata:

Können Sie uns schildern, wie genau WiiConnect24 im Spiel zum Einsatz kommt?

Iwata Asks
Nogami:

Das Erste, das uns in den Sinn gekommen ist, haben wir uns sozusagen vom Mii-Kanal abgekupfert...

Iwata:

Wie meinen Sie, „abgekupfert“? Sie waren doch an der Entwicklung des Mii-Kanals beteiligt! (lacht)

Nogami:

Tja, da haben Sie nicht ganz Unrecht! (lacht) Also gut, wir verwendeten eine Idee aus dem Mii-Kanal, und legten fest, dass Informationen über die Städte der Spieler automatisch ausgetauscht werden können. Diesen Informationsaustausch gab es schon in der DS-Version, wobei man da zwei separate Konsolen, jede mit ihrer eigenen DS-Karte, miteinander verbinden musste. Dieses Mal können Spieler durch eine Verbindung mit WiiConnect24 ohne die Freunde besuchen zu müssen, die Daten ihrer Städte untereinander tauschen, ohne dass es ihnen bewusst wird. So kommt es dann auch dazu, dass ein Tier neu in die

Video: Nachbarschaft

Das erste Hauptelement, über das wir gerne sprechen würden, ist WiiConnect24.
Nachbarschaft zieht, und zwar aus der Stadt eines Freundes, und sich vorstellt mit: „Hi! Ich bin gerade aus ----- hierher gezogen.“

Iwata:

Und „----“ wäre dann eine echte Animal Crossing-Stadt.

Nogami:

Genau! Und das Tier erzählt dann auch Tratsch über seinen alten Wohnort: „Dieser Charakter aus ----- mag das sehr.“ und solche Dinge.

Iwata:

Also werden immer mehr Informationen von einer Stadt zur anderen verbreitet, ohne dass man das mitbekommt.

Nogami:

Es gibt da eigentlich einen bestimmten Vorfall, der uns auf diese Idee brachte. Es war etwas, das uns Hideki Konno-san aus unserer Abteilung erzählt hat.

Iwata:

Das ist der Producer von "Mario Kart Wii". Ich habe mich mit ihm in einer früheren Ausgabe von „Iwata fragt“ unterhalten.

Nogami:

Offenbar sind Konno-san, seine Frau und ihr gemeinsamer Sohn Fans der DS-Version von Animal Crossing. Seine Frau war scheinbar ein großer Fan des Angelns. Sie hat so viel Zeit damit verbracht, dass sich ihr Sohn beschwert hat: „Mama, hörst du endlich auf mit dem Angeln?“

Iwata Asks
Iwata:

Ich bin mir sicher, dass ihr Sohn ebenfalls gerne geangelt hat. Er war bestimmt nur neidisch, dass seine Mutter solch tolle Fische gefangen hat! (lacht)

Nogami:

Genau das scheint der Fall gewesen zu sein! (lacht) Also hat die Mutter ihrer Versuchung widerstanden, angeln zu gehen, wenn ihr Sohn ihre Stadt besucht hat. Wenn er aber nicht da war, schlich sie sich sofort wieder zum Wasser.

Iwata:

Fantastisch! (lacht)

Nogami:

Eines Tages spielte ihr Sohn in seiner Stadt, als ein tierischer Bewohner auf ihn zukam und seine Mutter erwähnte. Das Tier sagte: „Sie macht nichts anderes als Angeln!“

Iwata:

Also war es eines der Tiere, das ihm verriet, was seine Mutter in seiner Abwesenheit tat! (lacht) Niemand hätte erwartet, dass ein Charakter aus einem Spiel tratschen und Gerüchte verbreiten würde!

Nogami:

Das verwundert einen ganz schön! Mal ehrlich, wann erwartet man schon, so etwas von einem Computer-Charakter zu hören?

Kyogoku:

Und in der Wii-Version kann es vorkommen, dass – selbst wenn die Tiere keine Geheimnisse verraten – ein anderer Spieler auf dem Bildschirm etwas sieht, das es ihnen verrät. (lacht)

Iwata Asks
Iwata:

Können Sie etwas genauer sein?

Kyogoku:

In der Stadt findet man etwas, das man wohl als Unterholz bezeichnen könnte. Es gibt grünes Gras, aber darunter befindet sich Erde. Diesmal haben wir das Gras sozusagen „draufgeklebt“, so dass es sich anfühlt, als ob es auf der Erde schweben würde. Wenn ein Spieler auf diesem Gras läuft, trägt es sich ein bisschen ab, so dass die Erde darunter ein wenig zum Vorschein kommt.

Iwata:

Sie meinen, es gibt Daten über jedes Feld des Spielbereichs von Animal Crossing und die Informationen darüber, auf welches getreten wurde, werden erfasst?

Kyogoku:

Genau! Wenn also der Spieler herumläuft, wird das Gras allmählich zertreten. Wir haben es so eingerichtet, dass es nach einem Tag nachwächst. Wenn Sie aber beispielsweise jeden Tag in Tom Nooks Laden gehen...

Iwata:

Ich verstehe! Man würde tierische Fährten hinterlassen.

Nogami:

Nun, der Spieler steuert einen menschlichen Charakter, also sind das eher Fußabdrücke und nicht Fährten. (lacht) Wenn ein Spieler also ständig zum Angeln geht, zeigt das zertretene Gras einen Pfad von seinem Haus zum Fluss. An Brücken, die jeder überqueren muss, ist das Gras dann komplett zertreten.

Iwata:

Also kann man überprüfen, ob seine Mutter heimlich zum Angeln geht, indem man dem Pfad von ihrem Haus aus folgt!

Alle:

(lachen)

Kyogoku:

So muss man beim Besuch der Stadt eines Freundes nicht immer die Karte aufrufen. Man könnte einfach dem Pfad vom Ausgangspunkt folgen, der einen direkt zu seinem Haus führt.

Iwata Asks
Iwata:

Ich verstehe. Das ist ein erfreuliches, wenn auch unerwartetes Extra! (lacht) Nur so aus Neugier: Wie oft muss man über eine Grasfläche laufen, um eine Spur zu hinterlassen?

Kyogoku:

Wenn man zwei Wochen lang darüber läuft, beginnt sich ein Pfad zu bilden.

Moro:

Es dauert etwa zwei Monate, bis er wie ein echter Pfad aussieht.

Iwata:

Ich bin sprachlos! Und das meine ich durchaus als Kompliment. Aber alles, was mir jetzt dazu einfällt, ist: Wie zum Kuckuck kamen Sie auf die Idee, so etwas ins Spiel einzubauen? (lacht)

Alle:

(lachen)

Kyogoku:

Vergessen Sie nicht, das Gras wächst langsam nach. Das Wachstum des Grüns ist jedoch von der Umgebung abhängig. Handelt es sich um einen Bereich mit Bäumen und Gras oder vielen Blumen, wächst das Gras schneller nach.

Iwata:

Und bevor Sie sich versahen, haben Sie einen Mini-Gartensimulator in das Spiel eingebaut! (lacht)

Nogami:

Man kann das Gras in seinem Garten sogar so züchten, wie es einem gefällt! (lacht)

Kyogoku:

Wenn ein Tier die Stadt verlässt, hinterlässt es ein rechteckiges Feld, an dem sein Haus stand. Wenn man das sieht und merkt, dass das Tier weggezogen ist, wird man geradezu richtig traurig!

Moro:

Natürlich wächst das Gras aber langsam nach und die Spuren des Hauses, in dem das Tier gewohnt hat, verschwinden. Die eigenen Erinnerungen an das Tier verschwinden auch langsam.

Kyogoku:

Nach einer gewissen Zeit ist sprichwörtlich Gras über die Sache gewachsen! (lacht)

Alle:

(lachen)